Freiräume – Pandemie bedingt geschlossen – Kein Licht am Ende des Tunnels.
Die COPSY-Längeschnittstudie des Universitätsklinkums Hamburg-Eppendorf zeigt auf, dass mit der zweiten Covid-19-Welle jeder dritte junge Mensch zwischen 7 und 17Jahren psychische Auffäligkeiten aufweist. Damit hat sich das Niveau innerhalb der Pandemie mehr als verdoppelt. Jeder zweite junge Mensch hat in der Studie angegeben, dass die eigene Psychische Gesundheit schlecht oder sehr schlecht ist. (Verweis:Ravens-Sieberer U, Kaman A, Erhart M, Devine J, Hölling H, SchlackR, Löffler C, Hurrelmann K, Otto C: Quality of Life and MentalHealth in Children and Adolescents during the First Year of theCOVID-19 Pandemic in Germany: Results of a Two-Wave NationallyRepresentative Study.2021.Available at SSRN:https://ssrn.com/abstract=3798710)
Diese Zahlen belegen noch einmal eindrücklich, was wir in unseremtäglichen Umgang mit jungen Menschen im letzten Jahr beobachten konnten. Uns wurde immer wieder von den Kindern und Jugendlichen mitgeteilt, dass einer der größten Faktoren für ihre Unzufriedenheit bzw. Belastung die fehlenden Freiräume sind.
Obwohl die gleichen Regelungen und Beschneidungen auch für uns Erwachsene gelten, treffen die Beschneidungen im Freizeitbereich junge Menschen besonders hart. Ohne ihre Freizeit, sind sie sind nur noch auf ihre Rolle als Schüler:in oder als Kind eines Elternhauses reduziert und für die aller meisten bedeuten diese Rollen wenig Selbstbestimmungsrecht. Es ist aber die Freizeit, in der sie gleichberechtigte Räume der Bildung finden, lernen sich selbst zu organisieren, demokratisch miteinander Dinge aushandeln, sich selbst ausprobieren oder einfach nur entspannen und nichts tun können. Für die Entwicklung eines Menschen sind diese Erfahrungen und Fähigkeiten unabdingbar.
Nach unserer Erfahrung haben Freiräume allerdings verschiedene Voraussetzungen, die innerhalb und auch außerhalb einer Pandemie in Jena nicht immer erfüllt sind.
Freiräume brauchen Zeit!
Davon haben Kinder und Jugendliche im Moment sehr viel, doch durch die Beschränkungen kaum Möglichkeit diese Sinnvoll einzusetzen. Wir bekommen immer häufiger erzählt oder selbst mit, dass Sie keinen geregelten Tag mehr haben und das Bett gar nicht verlassen wollen, weil Sie nicht wissen, wofür. Sobald jedoch Lockerungen kommen, sind wir uns sicher, dass der Leistungsdruck für junge Menschen immens steigen wird. Sie sollen die verlorene Zeit aufholen in dem Sie beispielsweise Lernstoffe in der Freizeit nachholen. Schon bereits vor der Pandemie war der Tagesablauf bei Kindern vollumfänglich und ausgelastet. Wir fordern in der Bildungskrise Lösungen, die Kinder und Jugendlichen nach der Pandemie genügend Freizeit lässt!
Freiräume brauchen Orte!
In den wenig vorhandenen Räumen und Flächen müssen junge Menschen auch die Möglichkeit zur Entfaltung haben. Dazu gehört die Beachtung ihrer Bedürfnisse in der Gestaltung von Grünflächen, Parkanlagen und öffentlichen Plätzen, aber auch die ungestörte Nutzung dieser. Immer wieder berichtet Jenaer Streetworker:innen von provozierenden Polizeikontrollen im Paradies Park und Gängelungen von Kindern und Jugendlichen. Diese müssen stoppen und zukünftig auf präventive Ansätze gesetzt werden!
Freiräume brauchen eine schützende Hand!
Mit dem Abbau der zeitlichen und räumlichen Hürden sind bereits große Problemfelder für Freiräume beseitigt. Doch Freiräume brauchen Kontinuität damit sie wachsen können. Es braucht Personen aus der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, die sich immer wieder parteiisch für diese Freiräume einsetzen. Kinder und Jugendliche sind eben mal laut, wollen mal feiern oder benehmen sich nicht so, wie man es sich eben wünscht. Die Lösung ist allerdings nicht die Bestrafung, das Verbieten von Angeboten und das Vertreiben vonJugendlichen aus dem öffentlichen Raum. Denn so schaffen wir nur, dass Sie sich und ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen oder unsichtbar fühlen. Und wieso sollten sich diese Kinder und Jugendliche zukünftig in eine Gesellschaft einbringen und diesemitgestalten, wenn Sie sich nicht einmal von ihr wahrgenommen fühlen?
