Auch die menschlichen Sprösslinge brauchen Licht zum Wachsen

 

Corona frisst die Jugend auf“ , „Jugendliche verpassen durch Corona die beste Zeit ihres Lebens“ ,„Jugendliche in der Pandemie – das Ende der Leichtigkeit“ ,„Jugendliche durch Corona zunehmend psychisch belastet“ ,„Generation Corona“

… diese und mehr reißerische Überschriften kann man in fast allen Medien lesen, egal ob digital oder gedruckt. Aber was bedeutet die Pandemie denn jetzt für unsere Kinder und Jugendlichen? 

Wo am Anfang der Pandemie die Freude über die relativ schnellen Schulschließungen noch riesig war, die freien Tage mit Freunden im Paradies in der Frühlingssonne genossen wurden, wechselten die positiven Gefühle schnell in Unsicherheit und Ängste. Nicht nur, dass die täglichen Strukturen, welche Halt und Sicherheit geben, weggefallen sind. Gar scheint die Zukunft in Gefahr zu sein. Aus der Freude über die frei verfügbare Zeit entstand Angst, gar nicht mehr gebraucht zu werden. Weder jetzt noch später. Ganze Biographien schrieben sich schier von alleine um. Bekamen ein neues Gewand, welches aber nicht selbst gewählt wurde.

 

Und während sich ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen vor den digitalen Medien wiederfindet und versucht den Schultrott im Netz wiederzufinden und nicht zu versagen oder abgehängt zu werden, so ist ein anderer Teil dieser Gruppe schon längst abgehängt. Ohne Zugangsmöglichkeiten zu den neuen Plattformen des Lernens, da digitale Geräte und Internetverbindung gänzlich fehlten und ohne Unterstützung von Außen dies ändern zu können, hängt es sich doch viel besser weiterhin draußen ab, mit Freunden und dem Konsum von Alkohol, Zigaretten und weiteren verbotenen Substanzen wie Crystal, Marihuana u.a. Zum Genießen, zum Vergessen und um die Wut und den Schmerz nicht ertragen zu müssen und auch als Ausgleich der Isolierung der sonst vorhandenen Freizeitaktivitäten. Der Konsum der digitalen Medien hat absolut zugenommen (JGH; JBH) und sollte nicht unterschätzt werden. Auch hiervon kommt man schlecht wieder los und zurück auf den Weg in die Gesellschaft.

 

Und wer jetzt mit seinem Freundeskreis einfach mal chillt, aber dabei gegen das Infektionsschutzgesetz bezüglich der Kontaktbeschränkungen des 1. & 2. Lockdownsverstößt, kann mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren (OWI) rechnen (JGH; JBH). Hier steht die Zeit nicht still.
Ebenso gestaltet sich das Zusammenleben in den Familien immer problematischer. Reibereien, Homeschooling, Überlastung der Familien generell, das Wegfallen von Hobbys, Kurzarbeit der Eltern und vieles mehr reizen in dieser Situation extrem. 
Auch Frau Dr. med. Nadja Schlegel, Oberärztin in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie schreibt dazu: „Zuhause am Rechner sitzen und Schule machen – virtuell zusammen und doch allein. In meiner Arbeit als Oberärztin […] erlebe ich Jugendliche vereinsamt, verunsichert gegenüber ihren Freunden (Peers) und gegenüber dem Bildungsweg gleichgültiger… […] „unmotiviert“. 

Möglichkeiten im Klassenraum abwechslungsreiche Abenteuer zu erleben, Neugier im Kontakt mit Altersgleichen zu befriedigen oder Leistungs- und Entwicklungsabgleich vorzunehmen scheinen mehr zu fehlen als Jugendliche selbst vorher dachten. Dies führte im vergangenen Jahr zu einer Gleichgültigkeit gegenüber den Anforderungen der Schule, den Lehrern und der eigenen Zukunft. Gleichsam mit dem Verlust an Motivation beginnt die Suche nach Glücksgefühlen am naheliegenden Ort, dem WorldWideWeb.

 

  

Hier finden sich in einem gewissen Maße Abwechslung, Abenteuer und soziale Kontakte. Schnell überwiegt die Spannung, die das Netz zu bieten hat der anstrengenden, einsamen Anforderung Schulaufgaben pandemiegerecht einsam Zuhause zu bewältigen. Angenehmer und schneller vergeht die gähnend langweilige Tageszeit beim Surfen, Youtuben, Netflixen oder Zocken. Somit erleben wir bei Kindern und Jugendlichen eine Zunahme an Schulvermeidungsverhalten, Zunahme an Ängsten vorm Wiederbesuch der Schule, damit einhergehend Versagens- und Zukunftsängste, die letztlich zur Ablenkungshandlung „dem Medienkonsum“ führen. In einigen Fällen folgen Verlust der Tagesstruktur, Kontaktreduktion zu Familie und Freunden und damit eine fortschreitende Abwärtsspirale. Das heißt allerdings nicht, dass man hier nichts tun kann!“

 

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Und nicht nur benachteiligte Jugendliche haben in dieser Pandemie das Nachsehen, auch leistungsstarke Schüler haben Schwierigkeiten mit dem Homeschooling, selbst Studierende brechen derzeit übermäßig ab, weil sie nicht mit dem Stoff zu Hause zurechtkommen und ihnen die Kontakte in der Stadt fehlen, als Erstis.

Für wohnungslose und psychisch auffällige Jugendliche ist die Lage besonders belastend, da Ämter nicht gut erreichbar sind und keine niedrigschwelligen offenen Angebote zur Verfügung stehen, sondern nur mit hohen Auflagen verbundene Termine in Krankenhäusern oder Einrichtungen wahrgenommen werden können (JGH; JBH). Hier kann mit Sicherheit mit Langzeitfolgen gerechnet werden.

 

Doch nach über einem Jahr Pandemie, kann man sich doch einig sein, dass die Kinder und Jugendlichen Jenas positiv wahrgenommen werden können. Im Streetwork ist man sich einig, dass so viele Jugendliche so gut durchgehalten haben, sich an die Beschränkungen gehalten und diese tapfer ertragen haben, da kann man sie auch mal loben und eine „Belohnungsperspektive“ bieten?! z.B. kleine Sommerevents, Gruppen-/Klassenfahrten, Abschlussfeiern (JGH; JBH).

 

Liebes Jena, Physiker aus Jena und Korea konnten beweisen, dass Wurzeln direkt auf Licht reagieren, das vom Spross in die unterirdischen Pflanzenteile geleitet wird. Wurzeln können so das Pflanzenwachstum an die Lichtbedingungen der Umgebung anpassen. So auch passen sich die Wurzeln unserer Jugend an die momentanen Gegebenheiten und Bedingungen an. Gib ihren Wurzeln Licht!